Am 12.11.2025 wird Neil Young 80 Jahre alt. Bis dahin stelle ich täglich ein persönliches Highlight aus seinem mit rund 50 Alben epischen Werk vor – mein „Danke für alles“!
#09: My My, Hey Hey (Out of the Blue) & Hey Hey, My My (Into the Black)
Beide Songs sind die einzigen neu geschriebenen Songs des 1979er Albums RUST NEVER SLEEPS, sie bilden den thematischen Rahmen für dieses ungewöhnliche Hybrid-Album. Mit ‚My My, Hey Hey (Out of the Blue)‘ eröffnet Young akustisch solo Seite 1 des Albums, mit ‚Hey Hey, My My (Into the Black)‘ beschließt er krachend und mit einem nahezu martialischen Sound zusammen mit Crazy Horse die Seite 2. RUST NEVER SLEEPS ist ein episches Gesamtwerk, dass das Ende der düsteren Ditch-Periode markiert und erstmals einen Sound markiert, auf den sich später vor allem der Grunge aus Seattle beziehen sollte.
Thematisch spielen beide Songs, die sich textlich nur in Fragmenten unterscheiden, mit dem Verfall und der Erneuerung in der Musik, der Text reflektiert Rock’n Roll, Ruhm, Vergänglichkeit und Authentizität und setzt sich mit der Frage auseinander, wie Musiker leben können, ohne künstlerisch zu stagnieren oder auszubrennen. Die Textstelle „It´s better to burn out than to fade away” wird gerne als programmatische Parole eines konsequenten Künstlerdaseins stilisiert und wurde später tragisch berühmt, als Kurt Cobain sie 1994 in seinem Abschiedsbrief zitierte.
Auch der Titel des Albums – RUST NEVER SLEEPS – wurde zum Leitmotiv der Künstlerbewegung: Stillstand führt zum Verfall. Wobei Neil Young in einem Interview betonte, dass sich diese kompromisslose Aussage lediglich auf das Leben als Musiker, als Künstler bezieht - und nicht auf den normalen Alltag, in dem z. B. Kinder, Job, Familie etc. die Prioritäten anders gewichten können.


RUST NEVER SLEEPS war nicht nur musikalisch eine duale Angelegenheit, sondern auch aufnahmetechnisch ein Hybrid aus Live- und Studio-Produktion. Die Songs wurden allesamt 1978 während der „Rust Never Sleeps“-Tour durch die USA aufgenommen. Young ließ jedes Konzert mitschneiden und zog sich mit den Aufnahmen in ein Studio zurück, wo Overdubs hinzugefügt wurden, der Sound nachbearbeitet und das Publikum weitestgehend herausgeschnitten wurde. Dadurch hat das Album die Energie eines Konzerts, aber gleichzeitig die Präzision und den Fokus einer Studioproduktion.
Übrigens: Im gleichen Jahr erschien mit LIVE RUST ein Live-Album, wozu die auf der 1978er Tour gemachten Aufnahmen ein zweites Mal ausgewertet wurden - diesmal in roher, unbearbeiteter Live-Klangästhetik, mit dem üblichen Publikum-Ambiente und ein wenig „Greatest-Hits“-Gefühl.Young sah beide Alben als Einheit, als zwei Seiten derselben Medaille: „Rust Never Sleeps war das Konzept, Live Rust die Realität.“ (Neil Young, Interview 1979)
Ein Jahr später – 1980 – veröffentlichte Young unter dem Titel RUST NEVER SLEEPS auch noch einen Film, der ein Konzert der Tour (1978, Cow Palace, San Francisco) dokumentiert. Die Bühnen-Inszenierung war mehr als außergewöhnlich: Auf der Bühne standen überdimensionale Requisiten (riesige Gitarrenverstärker-Atrappen, Mikros) und die Roadies trugen Mönchskutten.

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