· 

80 Jahre Neil Young - #11 Down By The River

Heute, am 12.11.2025, wird Neil Young 80 Jahre alt. Die letzten 10 Tage habe ich täglich ein persönliches Highlight aus seinem mit rund 50 Alben epischen Werk vorgestellt – heute kommt das letzte in dieser Reihe, verbunden mit einem großen „Danke für alles“!

#11: Down By The River (1969)

Ich bin in der Nähe der „Garnisonsstadt“ Bitburg in der Eifel aufgewachsen, in der zum Zeitpunkt meiner Jugend rund 10.000 Deutsche das Stadtbild mit ca. 7.000 amerikanischen und 3.000 französischen Soldaten prägten. Wir verbrachten unsere Freizeit in der Regel mit den GIs der Airbase, die dank der damals noch geltenden Wehrpflicht oft gute Typen waren, die die USA und das, was ihre Regierung u.a. mit Vietnam veranstaltete, genauso kritisch sahen wie der Rest der Welt. Viele Freundschaften entstanden, viele Liebschaften bis hin zu Ehen - und zu einigen von ihnen habe ich bis heute noch einen guten Kontakt. Durch die enge Begegnung mit den GIs waren wir immer auf dem aktuellsten Stand, was die amerikanische Musik anging, und in der Zeit lernte ich die Musik von Neil Young kennen. Da war seine Zeit bei Buffalo Springfield schon Geschichte, und sein erstes Solo-Album ebenfalls. Dafür beeindruckte und beeinflusste mich sein zweites Album, EVERYBODY KNOWS THIS IS NOWHERE, umso nachhaltiger. Insbesondere der Song ‚Down By The River‘ ließ mich ab dem Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal hörte, nicht mehr los – bis heute. Es war diese Mischung aus elektrifiziertem Folk und langen Gitarren-Improvisationen, die mich Stunden, ja Tage mit diesem Song verbringen ließ. Ihn – und dann kurze Zeit später – ‚Southern Man‘ vom Folge-Album AFTER THE GOLDRUSH (1970) hatte ich auf meinem Philipps-Tonbandgerät mehrfach hintereinander aufgenommen und spielte jeden Tag stundenlang dazu Gitarre. Sowohl die Akkorde als auch – noch recht holprig – die langen Solo-Passagen. Hier wurde die Leidenschaft fürs Musikmachen geweckt, und auch die Grundlage für meine Faszination für die E-Gitarre geschaffen.

 

In ‚Down By The River‘ geht es thematisch keinesfalls um einen Mord – trotz der markanten Textzeile „Down by the river - I shot my baby“. In einem Interview sagte Neil Young 1970: „It’s about blowing your thing with a chick. It’s about losing your love, not about killing someone.“ Es wird also, wie immer in starken Bildern, das Ende einer Beziehung besungen - heute würde man sagen: das Ende einer toxischen Beziehung, die zwischen voller Hingabe und schroffer Ablehnung changiert. 

 

Auf EVERYBODY KNOWS THIS IS NOWHERE spielte Neil Young erstmals mit Crazy Horse zusammen und legte hier zusammen mit seinem langjährigen Produzenten David Briggs den Grundstein für seinen typischen elektrifizierten Sound. Die Verbindung mit Crazy Horse sollte sich über die kommenden Jahrzehnte als prägend für Youngs musikalisches Schaffen erweisen, in keiner anderen Kombination spielte Young derart intensiv und kompromisslos wie mit dieser Formation - Neil Young und Crazy Horse sind einfach ein „perfect match“ und seine aktuelle Band „The Chrome Hearts“ wirkt wie eine Inkarnation von Crazy Horse. Ach ja, und in meinen Video-Tipps findet sich u.a. eine 36 Minuten lange Version des Songs mit Promise Of The Real, die ich sehr empfehlen kann, weil auch sie den Spirit von Crazy Horse hat.

 

Mit ‚Down By The River‘, dem Song, der mir die Musik von Neil Young erstmals nahebrachte, endet meine Reihe persönlicher NY-Highlights zum 80. Geburtstag Neil Youngs. Wie kein anderer hat seine Musik und er als Typ mich geprägt. Vor allem seine Konsequenz, wenn es um die Qualität seiner Musik geht, war für mich richtungweisend. Intensität, Authentizität und Ehrlichkeit waren und sind ihm stets wichtiger gewesen als ein perfektes Gitarrenspiel oder eine technisch hochwertige Aufnahme. Die Inhalt eines Werkes bestimmt die Kunst, und nicht seine Form. Das ist für mich und viele andere über all die Jahre hinweg stets ein wertvoller Wegweiser beim Schaffen der eigenen Kunst gewesen - und dafür kann man nicht dankbar genug sein. Zwei Young-Zitate habe ich mir notiert, für die Fälle, in denen am Wegesrand mal wieder andere verführerische Wegweiser auftauchen sollten: „Music should come from the heart, not from a marketing meeting.“ Und: „Perfection is the enemy of truth.“

 

Wer diese kleine Reise durch meine persönlichen NY-Highlights bis hierhin verfolgt hat, dem möchte ich von Herzen danken! Es hat großen Spaß gemacht, wieder in diese Songs einzutauchen, sie in ihren historischen Kontext zu stellen und näher zu beleuchten. Ich hoffe, es ging Euch ebenso.

Videos

1. Das Original vom Album EVERYBODY KNOWS THIS IS NOWHERE

2. Akustische Live-Version von 1971

3. Eine epische, 36 (!) Minuten dauernde Version mit Promise Of The Real (2016)

4. Live-Version von Crosby, Stills, Nash & Young aus 1970, die alles das hat, was mir an dieser Supergroup nie gefallen hat.




Kommentar schreiben

Kommentare: 0