Rückblicke tun gut, auch wenn sie zu dieser Jahreszeit gefühlt überall auftauchen. Sie sind eine Form der Innenschau, relativieren die eigene Entwicklung und den Blick auf den aktuellen Stand – und lassen einen am Ende entweder nachdenklich zurück oder eher zufrieden in sich hineinlächeln.
Besonders spannend sind solche Rückblicke beim Thema Effektpedale. Denn wer kann schon von sich behaupten, hier eine derart stoische Konstanz entwickelt zu haben, dass sich im Laufe eines Jahres nichts auf dem Board verändert? Also schauen wir gemeinsam zurück, wie sich mein Haupt-Effektboard – ich halte mir derer drei: ein Haupt-, ein Side- und ein Bass-Board – im Jahr 2025 entwickelt hat.
Das Foto meines ersten Boards in 2025 entstand am 12. Januar. Und natürlich fällt sofort diese riesige Lücke in der oberen Reihe ins Auge, die kurz darauf mit einem Danelectro Backtalk geschlossen wurde. Tatsächlich sind auf diesem frühen Board bereits drei Pedale zu sehen, auf die ich bis heute nicht verzichten möchte und die folgerichtig auch auf dem Jahresend-Board gelandet sind: der TC PolyTune, das Vahlbruch Xroads und das großartige Bremerklang SPRNG.
Letzteres war für mich die Entdeckung des Jahres. Rückblickend hat das SPRNG sogar den Weg für weitere Entscheidungen geebnet, die das Board am Jahresende letztlich zu dem gemacht haben, was es heute ist - ein echter Schritt nach vorne in meiner persönlichen Pedal-Odyssee. Ein guter Federhall wie das SPRNG setzt nämlich nicht nur sich selbst gekonnt in Szene, sondern auch die Geräte um ihn herum – und da passt eben nicht jede Sound-Ästhetik gleichermaßen gut. Aber wenn es passt, dann wird es richtig gut!
Das Jahresanfangs-Board

Schauen wir uns zuerst das Board aus dem Januar 2025 nun genauer an, und zwar in der Reihenfolge des Signalflusses:
- Fuzzhouse Bender MKII – die Inkarnation des Bender MK-II aus den seligen 1960ern, gebaut von Manuel Ammon.
- TC PolyTune – ein äußerst praktisches Stimmgerät, dessen Poly-Tuning (ein Anschlag aller Leersaiten genügt) auch schnelles Nachstimmen zwischendurch ermöglicht. Zudem lässt es sich wahlweise buffered oder true bypass betreiben.
- Mooer Slow Engine – Mooers recht gelungener Versuch, das Boss SG-1 zu imitieren. Ich mag Volume-Swell-Effekte sehr, und dieses Pedal ist eine günstige wie überzeugende Variante.
- Crazy Tube Circuits Killer V – ein wahrer „Killer“-Drive mit kernigem, bröseligem Sound, der angeblich an alte Magnatone-Sounds erinnern soll. Das höre ich persönlich zwar nicht, aber der eigenständige, leicht staubige Drive gefällt mir ausgesprochen gut. Zusätzlich an Bord ist eine sehr nass – also gut – klingende Vibe-Schaltung, die allerdings nur in Kombination mit dem Drive, nicht solo, genutzt werden kann. Ein tolles Pedal, das dennoch später im Jahr einem anderen weichen musste.
- Mad Professor Tiny Orange Phaser – ein hervorragender Phaser: vielseitig, klassische Phaser-Sounds, hochwertig verarbeitet und klanglich absolut überzeugend.
- Boss DD-200 – ein sehr vielseitiges Delay mit praktischen Presets, mir am Ende jedoch etwas zu charakterlos. Klingt ungefähr so, wie es aussieht.
- Mooer Trelicopter – Mooers gelungene Annäherung an den Demeter Tremulator. Gut einsetzbar, solide im Klang und angenehm kompakt.
- Bremerklang SPRNG – dazu wurde oben schon viel gesagt. Eine schlicht großartig klingende Federhall-Installation mit Steuereinheit auf dem Board und einem darunter montierten TAD-Springtank mittlerer Größe. Ich liebe es.
- Vahlbruch Xroads – eine hochwertige Split-Lösung, mit der das Signal auf zwei Amps verteilt werden kann, einzeln oder gemeinsam. (In der Praxis spiele ich meist aber nur einen Amp.)
- Bleeding Cowboys AA Nano – die analoge DI-Box meiner eigenen Marke. Sie leitet das frequenzkorrigierte Signal bei Bedarf direkt in die PA oder die Recording-DAW und springt zuverlässig ein, wenn bei einem Live-Gig der Amp den Geist aufgibt.
Das Jahresend-Board

Und damit werfen wir einen Blick auf das Jahresend-Board – die zahlreichen Irrungen und Wirrungen zwischen erstem und letztem 2025er-Board lassen wir aus Platzgründen außen vor. Auffällig ist bei diesem Board sicher die Dominanz der Fender-Pedale: wahrlich ein großer Name, der aber im Effekt-Segment bislang nicht die dominierende Rolle des Platzhirschs spielt wie bei E-Gitarren und -Bässen.
So läuft hier das Signal:
- Fender The Pelt – lange Zeit suchte ich nach DEM Fuzz-Pedal. The Pelt hat mir gezeigt, was mir an den meisten Fuzzes nicht gefällt: ihre Dominanz. Egal ob Muff-artig, F-Face-typisch oder benderig – alle waren sie dominant und aufdringlich und „glänzten“ zudem noch hoch gelobten Clean-Ups beim Runterregeln des Volume-Potis der Gitarre. Nichts für mich, denn ich wollte ein Fuzz, das sich nicht aufdrängt und das auch bei heruntergeregeltem Gitarren-Poti verzerrt. The Pelt bietet genau das: einen guten Fuzz-Ton irgendwo zwischen Sahne und Säge, der auch dann stabil bleibt, egal wo das Volume-Poti der Gitarre gerade steht. Für ganz spezielle Fälle wechsle ich mein Twangtone Morricone Fuzz für das Pelt ein – das spricht italienisch und liefert auf der Basis der Mosrite-FuzzRite-Schaltung aus den 1960er kompromisslose Fuzz-Abenteuer für authentische Spaghetti-Western-Sounds. Schön, dass die Firma Bremerklang dieses Pedal wieder baut – und genau dort ist es auch exklusiv erhältlich.
- TC PolyTune – siehe oben.
- Twangtone Manifesto – ein Vermächtnis des 2024 verstorbenen Bernd Meiser, der dieses Pedal für mich entwickelt hat. Mit Preamp- und Overdrive-Sektion auf diskreter Schaltungstechnik gehört es zu den interessantesten Drive-Pedalen der Jetztzeit. Was nicht nur ich sage, sondern die wenigen Besitzer der schnell verkauften Erstauflage. Es wurde bereits viel darüber geschrieben, daher halte ich mich hier kurz. Ich arbeite derzeit daran, die Produktion wieder anzukurbeln.
- Fender The Pinwheel – ähnlich wie beim Pelt steht dieses Pedal ebenfalls für das Ende einer langen Suche – der Suche nach dem richtigen Vibe. Es liefert alle nötigen Regelmöglichkeiten, Slow/Fast-Fußschalter und vor allem auch eine dynamische Schwurbelfunktion: Je stärker der Anschlag, desto mehr Vibe. Der Sound ist saftig, schmatzig und einfach überzeugend.
- Gurus Echosex 3 – endlich ein Delay mit Röhre im Zentrum der Schaltung. Und das hört man: Die Echos klingen wirklich schön knusprig und ergänzen sich belebend mit dem SPRNG Federhall.
- MXR Clone Looper – ein kompaktes, einfach zu bedienendes Gerät für schnelle Loops zwischendurch. Mit dem Ernie Ball Tap-Schalter lassen sich zudem Reverse- und Halftime-Funktionen abrufen.
- Fender MTG Tube Tremolo – ein Pedal mit klassischer analoger Röhren-Schaltung, entwickelt in Zusammenarbeit mit Bruce Egnater. Klingt sehr schön Amp-Trem-mäßig, eben genau so, wie es soll und bietet zudem noch eine Tap-Tempo-Funktion. Dieses Trio von Gurus Delay, Fender Tremolo und Bremerklang SPRNG ist für meine Ohren und Gefühlswelten einfach erste Sahne.
- Bremerklang SPRNG – siehe oben.
- Vahlbruch Xroads – siehe oben.
- Bleeding Cowboys AA Nano – siehe oben.
Und damit ist der kleine Rückblick auf mein Pedalwesen in 2025 auch schon abgeschlossen. Ich weiß aber jetzt schon: Das Jahresende-Board wird so nicht lange Bestand haben. Mein Sideboard wird aufgelöst, und ich werde zwei oder drei Pedale von dort ins Hauptboard integrieren, darunter das großartige Vahlbruch BBQ-XL und den Vahlbruch Quantum Kompressor. Dafür steht schon ein größeres Board bereit, das im Keller nur auf seinen Einsatz wartet. Dann wäre dieses das erste Board im neuen Jahr und würde als Referenz für das nächste Jahresend-Board zur Verfügung stehen.
Wobei ich ein gutes Gefühl habe: Die Fixpunkte dieses Boards halten wohl noch länger. Irgendwann ist es nämlich auch mal gut mit diesem anachronistischen Pedal-Rodeo, oder?

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